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Erbschaftsteuer-Freibeträge — Wie viel ist steuerfrei?

Die Freibeträge unterscheiden sich je nach Verwandtschaftsgrad. Wir zeigen dir die genauen Beträge und wie du sie optimal nutzt.

9 min Lesezeit Anfänger März 2026
Taschenrechner und Notizen auf einem Schreibtisch mit Steuererklärungsunterlagen

Warum Freibeträge so wichtig sind

Wenn jemand stirbt und sein Vermögen vererbt wird, können Erben in Deutschland oft einen Teil davon steuerfrei erhalten. Das ist kein Zufall — das Gesetz möchte Familien schützen. Aber es’s nicht für alle gleich.

Die Höhe deines Freibetrags hängt davon ab, wer du bist: Ehepartner, Kind, Enkel oder weiter entfernte Verwandte. Wer näher verwandt ist, bekommt mehr steuerfrei. Das klingt kompliziert, aber wir erklären’s dir Schritt für Schritt.

Wenn du verstehst, wie diese Freibeträge funktionieren, kannst du bessere Entscheidungen treffen — nicht nur im Erbfall, sondern auch bei Schenkungen zu Lebzeiten.

Familie mit mehreren Generationen sitzt zusammen im Wohnzimmer und bespricht finanzielle Angelegenheiten

Die genauen Freibeträge nach Steuerklasse

Deutschland teilt Erben in drei Steuerklassen ein. Je näher die Verwandtschaft, desto großzügiger die Freibeträge. Das macht Sinn: Der Staat will Familienvermögen schützen, nicht zerstören.

Steuerklasse I — Die nächsten Angehörigen

  • Ehepartner: 400.000 Euro
  • Kinder: 400.000 Euro pro Kind
  • Enkel: 200.000 Euro pro Enkel
  • Eltern (Erbfall): 100.000 Euro

Steuerklasse II — Weitere Verwandte

  • Geschwister, Nichten, Neffen: 20.000 Euro
  • Stiefeltern, Schwiegerkinder: 20.000 Euro

Steuerklasse III — Alle anderen

  • Entfernte Verwandte, Freunde: 20.000 Euro

Wichtig: Diese Beträge sind von 2025 bis 2027 gültig. Sie werden alle 10 Jahre überprüft und angepasst.

Übersichtstabelle mit Verwandtschaftsgraden und entsprechenden Freibeträgen, klar strukturiert
Frau mittleren Alters mit nachdenklichem Ausdruck, die sich finanzielle Unterlagen anschaut

Wie die Steuersätze funktionieren

Der Freibetrag ist nur die erste Hürde. Was darüber hinausgeht, wird besteuert. Aber auch die Steuersätze unterscheiden sich nach Steuerklasse und Erbschaftshöhe.

Nehmen wir ein Beispiel: Ein Kind erbt 600.000 Euro. Der Freibetrag liegt bei 400.000 Euro. Das bedeutet, auf die restlichen 200.000 Euro fallen Steuern an. Bei Steuerklasse I beträgt der Steuersatz 15 % bis 30 %, je nach Gesamtsumme.

Das klingt hart, aber es’s nicht. Mit guter Planung lässt sich viel sparen. Schenkungen zu Lebzeiten nutzen die gleichen Freibeträge — und man kann sie alle 10 Jahre neu ausschöpfen.

Die Rotationsstrategie — So sparst du echtes Geld

Hier kommt das Clevere: Du kannst Freibeträge mehrmals nutzen. Die sogenannte Rotationsstrategie ermöglicht es dir, über einen längeren Zeitraum verteilt zu verschenken.

01

Schenkung in Jahr 1

Du verschenkst dem Kind 400.000 Euro. Das ist steuerfrei. Niemand zahlt etwas.

02

10 Jahre warten

Der Freibetrag erneuert sich. Das Kind kann jetzt wieder 400.000 Euro erhalten — ebenfalls steuerfrei.

03

Zweite Schenkung

Du schenkst weitere 400.000 Euro. Insgesamt hat dein Kind 800.000 Euro erhalten — mit fast null Steuern.

Das Ergebnis: Mit Planung kannst du doppelte Freibeträge nutzen. Bei mehreren Kindern wird’s noch interessanter — jedes Kind hat seinen eigenen Freibetrag.

Praktische Tipps für deine Planung

Theorie ist schön, aber wie sieht’s in der Praxis aus? Hier sind konkrete Schritte, die du jetzt unternehmen kannst.

1. Schenkungen dokumentieren

Wenn du Geld schenkst, schreib’s auf. Am besten mit Datum und Betrag. Das erspart dir später Ärger mit dem Finanzamt. Du musst die Schenkung nicht anmelden, aber Dokumentation hilft.

2. Den 10-Jahres-Rhythmus kennen

Schenkungen verjähren nicht einfach. Aber die Freibeträge erneuern sich nach 10 Jahren. Das bedeutet: Wenn du 2025 schenkst und 2035 wieder schenkst, werden die Beträge nicht addiert.

3. Immobilien beachten

Häuser und Grundstücke werden besonders bewertet. Es gibt spezielle Regelungen für selbst genutzte Immobilien. Das kann enorm sparen, ist aber kompliziert — hier lohnt sich professionelle Beratung.

4. Testament ist nicht optional

Ohne Testament entscheidet die Gesetzliche Erbfolge. Das führt oft zu Problemen und Steuernachteil. Ein Testament kostet wenig und gibt dir volle Kontrolle über dein Vermögen.

Älteres Paar sitzt zusammen am Schreibtisch und plant finanzielle Angelegenheiten mit Dokumenten

Fazit: Mit Wissen kannst du sparen

Die Erbschaftsteuer ist nicht dazu da, Familien auszunehmen. Sie soll nur verhindern, dass große Vermögen ohne jede Belastung weitergegeben werden. Und genau deshalb gibt’s die Freibeträge — um normalen Familien zu helfen.

Das Wichtigste: Du musst nicht selbst zum Steuerfachmann werden. Aber wenn du verstehst, wie die Freibeträge funktionieren, kannst du bessere Entscheidungen treffen. Die Rotationsstrategie ist ein mächtiges Werkzeug — nutze sie.

Nächster Schritt: Schau dir unbedingt an, wie ein Testament richtig aufgesetzt wird. Oder erkundige dich nach der gesetzlichen Erbfolge, damit du weißt, was ohne Testament passieren würde. Jeder Schritt macht deinen Plan besser.

Hinweis zum Artikel

Die Informationen in diesem Artikel dienen nur zu Bildungszwecken und sind keine Steuerberatung. Erbschaftsteuer und Freibeträge sind komplexe Themen, und die Regelungen können sich ändern. Die Angaben entsprechen dem Stand von März 2026. Für deine individuelle Situation empfehlen wir, einen qualifizierten Steuerberater oder Rechtsanwalt zu konsultieren. Jeder Fall ist unterschiedlich, und nur ein Profi kann deine speziellen Umstände beurteilen.