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Gesetzliche Erbfolge verstehen — Ein Überblick

Keine Angst vor Juristendeutsch. Wir erklären dir, wer erbt, in welcher Reihenfolge und wie dein Vermögen ohne Testament verteilt wird.

10 min Lesedauer Anfänger März 2026
Familientreffen zur Vermögensplanung mit Generationen am Tisch sitzend

Warum die gesetzliche Erbfolge wichtig ist

Die meisten Menschen denken nicht gerne über Erbfragen nach. Das ist völlig verständlich — es fühlt sich weit weg an. Aber hier’s die Sache: Wenn du kein Testament hast, entscheidet nicht du, wer dein Vermögen bekommt. Das Gesetz macht diese Entscheidung für dich. Und das funktioniert nicht immer so, wie du es dir vielleicht vorstellst.

Die gesetzliche Erbfolge folgt einer strengen Hierarchie. Sie berücksichtigt Blutsverwandtschaft, nicht unbedingt deine persönlichen Wünsche. Deshalb ist es wichtig zu verstehen, wie dieses System funktioniert — auch wenn du selbst kein Testament schreibst. Es hilft dir, deine Situation realistisch einzuschätzen.

Rechtliche Dokumente und Schriftzüge auf Schreibtisch

Die Ordnungssysteme der Erbfolge

Das deutsche Erbrecht funktioniert nach einem klaren Ordnungssystem. Es gibt vier Ordnungen, die der Reihe nach erben — wenn es Erben aus einer Ordnung gibt, schließt das die nächste aus. Das ist wichtig zu verstehen.

Erste Ordnung: Kinder (und ihre Abkömmlinge, wenn das Kind verstorben ist)
Zweite Ordnung: Eltern und deren Kinder (deine Geschwister)
Dritte Ordnung: Großeltern und deren Abkömmlinge (Tanten, Onkel, Cousins)
Vierte Ordnung: Urgroßeltern und ihre Abkömmlinge

Praktisch heißt das: Wenn du Kinder hast, erben diese. Deine Eltern oder Geschwister bekommen nichts — sie gehören zur zweiten Ordnung und sind ausgeschlossen. Das Ehegattenrecht funktioniert daneben und ist nicht an die Ordnungen gebunden.

Familienstammbaum-Diagramm mit mehreren Generationen
Ehepaar sitzt zusammen am Wohnzimmertisch mit Dokumenten

Der Ehegatte — eine Sonderrolle

Dein Ehepartner oder deine eingetragene Lebenspartnerin erben immer mit — unabhängig davon, ob du Kinder hast oder nicht. Das ist einer der wichtigsten Unterschiede zur allgemeinen Ordnung. Der Ehegatte bekommt eine Quote, die vom Familienstand abhängt.

Mit Kindern erhält der Ehegatte ein Viertel, die Kinder teilen sich drei Viertel. Ohne Kinder, aber mit Eltern oder Geschwistern, bekommt der Ehegatte die Hälfte. Und ohne weitere Erben? Der Ehegatte erbt das ganze Vermögen. Das ist eine großzügige Regelung — aber nur, wenn ihr verheiratet seid. Unverheiratete Partner haben keine Erbrechte.

Erbschaftsteuer-Freibeträge nach Verwandtschaftsgrad

Jetzt wird’s interessant: Nicht alles, was du erbst, ist steuerpflichtig. Es gibt Freibeträge, die je nach Verwandtschaftsgrad unterschiedlich hoch sind. Diese Beträge können steuerfrei vererbt werden.

400.000
Ehegatte & Kinder
200.000
Enkel
100.000
Eltern & Geschwister
20.000
Sonstige

Das bedeutet: Wenn dein Kind 300.000 Euro von dir erbt, zahlt es keine Erbschaftsteuer — es liegt unter dem Freibetrag von 400.000 Euro. Aber wenn dein Cousin 50.000 Euro erbt und nur 20.000 Euro Freibetrag hat, wird der Rest besteuert. Die Steuersätze sind gestaffelt und reichen von 7% bis 30% je nach Verwandtschaftsgrad und Erbmasse.

Taschenrechner neben Notizblock mit handschriftlichen Berechnungen
Ältere Frau bei der Beratung mit Finanzberater über Vermögensplanung

Die Schenkungsrotation — Vermögen intelligent übertragen

Es gibt eine Strategie, die viele Menschen nicht kennen: die Schenkungsrotation. Sie nutzt die Freibeträge mehrfach aus. Hier’s wie es funktioniert: Freibeträge gibt es alle 10 Jahre neu. Das heißt, du kannst deinem Kind 2026 400.000 Euro schenken, und 2036 nochmal 400.000 Euro — ohne Steuern.

Mit zwei Kindern verdoppelt sich das Potenzial schnell. Über mehrere Jahrzehnte können Millionen steuerfrei auf die nächste Generation übertragen werden. Das ist legal und vollkommen üblich. Viele vermögende Familien nutzen diese Methode systematisch. Du brauchst dafür keine komplizierte Struktur — nur einen Plan und Dokumentation.

Wichtig: Die Schenkung muss dokumentiert werden. Ein Schenkungsvertrag ist sinnvoll, besonders bei größeren Beträgen. Das schützt dich und deine Kinder und macht die Freibeträge eindeutig.

Das Wichtigste zum Mitnehmen

Verstehen, wie die Erbfolge funktioniert, hilft dir, bessere Entscheidungen zu treffen.

1

Ordnungen bestimmen die Reihenfolge

Kinder erben zuerst, dann Eltern und Geschwister, dann Großeltern. Das ist starr und nicht flexibel.

2

Der Ehegatte hat eine Sonderposition

Dein Partner erbt immer mit. Ohne Kinder kann der Ehegatte sogar das ganze Vermögen bekommen.

3

Freibeträge sparen Steuern

Kinder haben 400.000 Euro Freibetrag, andere Verwandte deutlich weniger. Das kann eine große Rolle spielen.

4

Ein Testament gibt dir Kontrolle

Du brauchst die gesetzliche Erbfolge nicht zu akzeptieren. Mit einem Testament bestimmst du selbst, wer was bekommt.

Die gesetzliche Erbfolge ist ein Fallback-System. Es funktioniert, wenn du nichts tust. Aber wenn du die Kontrolle über dein Vermögen behalten willst, brauchst du ein Testament. Und wenn du dein Vermögen intelligent übertragen möchtest, hilft dir die Schenkungsrotation dabei.

Wichtiger Hinweis

Diese Informationen sind zu Bildungszwecken gedacht und ersetzen keine rechtliche Beratung. Die Erbfolge und Erbschaftsteuer sind komplex und können je nach persönlicher Situation unterschiedlich ausfallen. Besonders bei größeren Vermögen oder komplexeren Familienverhältnissen solltest du mit einem Rechtsanwalt oder Notar sprechen. Die Regelungen ändern sich gelegentlich — informiere dich vor wichtigen Entscheidungen bei aktuellen Quellen.